Auch ein Wirtschaftsmagazin berichtet über Achtsamkeit ( Auszug )


In den Führungsetagen scheint sich die Wirksamkeit von Meditation herumgesprochen zu haben: Unternehmer Loïc Le Meur, Ray Dalio, Gründer von Bridgewater, Bill Gross, Gründer von Pimco, und Peter Ng, CIO der Singapore Investment Corporation, tun es – sie alle meditieren täglich. Philipp Hildebrand, Ex-SNB-Präsident und heutiger Blackrock-Vize, geht sogar so weit, dass er auch im Flugzeug meditiert – so sagte er es zumindest einst in der «Financial Times»: «In einer von Bildschirmen, Papier, Handys und Informationsüberfluss geprägten Welt sind 20 Minuten, um gezielt nicht an etwas zu denken, eine wunderbare Sache.» Es sei eine Pause, die ­erfrische – in der Finanzwelt ein Muss. 
Weitere Mindfulness-Anhänger sind der BMW-Aufsichtsrat Norbert Reithofer und RWE-Chef Peter Terium. Weltweit bieten neben Yahoo, Apple und der Nasa auch die Deutsche Bank oder PWC Achtsamkeits-Kurse für Mitarbeiter an. 
Job-Stress-Index zeigt Alarmierendes 
Seit 2014 ermittelt die Gesundheitsförderung Schweiz im Job-Stress-Index die Auswirkungen für Arbeitnehmer und -geber durch arbeitsbedingten Stress. Die Erhebungen 2015 zeigen, dass 22,5 Prozent an Stress und 22,6 Prozent unter Erschöpfung leiden. Laut Index befinden sich 1,1 Millionen Arbeitnehmer im «kritischen Bereich». Dies bedeutet, dass die Ressourcen am Arbeitsplatz nicht ausreichen, um die Arbeitsbelastung zu bewältigen. 
Rund 2,4 Millionen Mitarbeiter befinden sich im «sensiblen Bereich» – die vorhandenen Ressourcen reichen nur knapp, um die Belastungen auszugleichen. Stressbedingte Ausfälle kosten Schweizer Unternehmen jährlich rund fünf Milliarden Franken. Ausserdem führt Stress zu Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, was wiederum die Kündigungsabsicht erhöht. 
Abschalten ist erwünscht
Wagt man einen Blick in Schweizer Unternehmen, stösst man auf die unterschiedlichsten Angebote in Sachen Achtsamkeit. Neben dem bereits erwähnten Gesundheitsparcours bietet die Swisscom ihren Mitarbeitern Referate zum Thema Stress, Gesundheit und Aktivitäten wie Entspannungs- und Bewegungskurse bis hin zu Coachings und Lachyoga. Auch in Industrieunternehmen wie Georg Fischer werden den Mitarbeitenden Yogakurse angeboten, ebenso beim Baudienstleister Implenia. 
Weitere Unternehmen mit Angeboten sind die LGT Bank, Credit ­Suisse, Roche, SBB oder ABB. Laut eigenen Angaben bietet das Industrieunternehmen unter Konzernchef Ulrich Spiesshofer seinen Mitarbeitenden Kurse, die Stress am Arbeitsplatz vorbeugen sollen. Der Schwerpunkt liege dabei auf den Bereichen Ergonomie, Ernährung, Bewegung und Entspannung. 
Auch beim Pharma­riesen Roche gibt es Kurse im Bereich der Achtsamkeit, «die es Menschen ermöglichen, gezielt abzuschalten und neue Spielräume für einen klaren und bewussten Umgang mit sich selbst zu schaffen». Roche bietet einen Kurs an, der auf dem Achtsamkeitstraining des MBSR-Konzepts – Mindfulness-Based Stress Reduction – nach Prof. Jon Kabat-Zinn beruht. 
Von der Nische zum Mainstream 
Er gilt als Pionier des Mindfulness-Gedankens. 1979 gründete er das Center for Mindfulness an der Universität von Massachusetts. Damals war das MBSR-Konzept noch eine Nischenerscheinung, heute ist es Mainstream. Christian Bünck ist Berater und befasst sich seit über zwanzig Jahren mit dem Thema Achtsamkeit. Er gibt Kurse in Unternehmen, die auf dem MBSR-Konzept beruhen. Ursprünglich wurde dieses auf acht Wochen ausgelegt. Bünck bietet dieses Acht-Wochen-Konzept in kompakter Form an und macht damit gute Erfahrungen. 
Es geht um das Erlernen von Achtsamkeit durch Übungen wie Sitzmeditation, Yoga und das Spüren des eigenen Körpers. «Mindfulness bedeutet, ganz da zu sein – mit einer freundlichen Grundhaltung», sagt er. Derzeit sei Achtsamkeit ein «Megatrend», der auch Ausdruck einer neuen Offenheit Dingen gegenüber sei, die früher mal als esoterisch verpönt waren. Dazu gebe das Mindfulness-Konzept Antwort auf die Bedürfnisse einer Multioptionsgesellschaft, in der jeder ­oft überfordert und verwirrt sei. Durch Achtsamkeit könne man aus dieser Verwirrung heraustreten, sich eigene, neue Räume schaffen. 
Achtsamere Menschen tun auch dem Unternehmen gut 
Für Bünck geht es bei Achtsamkeit aber nicht darum, etwas zu erreichen, sondern darum, loszulassen, Dinge ehrlich wahrzunehmen. «Daraus entspringt eine stimmige, gesunde Veränderung, Resilienz entwickelt sich als Nebenprodukt.» 

Natürlich gehe es auch um Optimierung, so Bünck. Doch die Unternehmen müssten damit rechnen, dass ihre Mitarbeiter selbständiger würden und anfingen, sich ihren eigenen Raum zum Arbeiten zu schaffen. Aus eigener Erfahrung weiss Bünck, dass «Menschen, die achtsamer mit sich umgehen, sowohl sich selbst wie auch der Firma etwas Gutes tun». So gesehen, sei der Achtsamkeitskurs Teil eines betrieblichen Gesundheitsmanagements. 
( Auszug aus einem Artikel der Zeitschrift Bilanz, Maren Meyer, Februar 2016 )