Meditation als Anti-Aging

Vor ca. dreißig Jahren war das prägende Bild des Alters das eines 3-phasigen Phasen-Modells. Dieses Bild prägt unser Denken und Handeln noch heute:
Ausbildung - Beruf - Ruhestand und Pflege.

Unsere Lebenserwartung hat sich seitdem stark verschoben und heute wächst sie  alle 24 Stunden um 6 (sechs!) Stunden.  Es ist heute noch kein Ende dieses Trends abzusehen. Darüber sind sich alle Wissenschaftler einig. Das bedeutet, dass heute Menschen nach dem Übergang in die Pension noch – mehr oder weniger – 20 Jahre fit sind, um höchste Berge zu besteigen, Marathon zu laufen oder eine Firma zu gründen.

Man kann heute sagen, dass sich eine neue Lebensphase eingeschoben hat. Diese hat aber noch keinen Namen. Auch die Menschen, die in dieser Phase leben, haben keinen. Es existieren viele Begriffe, wie Graue Panther, Silverworker, Weiser, Silberhaar etc., aber diese Bezeichnungen sind nicht wirklich bei der entsprechenden Gruppe beliebt.

Vielleicht könnte man sagen, dass hier eine frühe Altersphase ( frühes Alter ) eingeschoben ist, die so ungefähr 15-20 Jahre umfasst, bevor sich dann die Phase des späten Alters incl. Pflegebedürftigkeit anschliesst.

Das frühe Alter ist in der Regel, trotz der ein oder anderen Beeinträchtigung, eine Phase, in der wir ziemlich ungebunden und frei, recht fit und geistig rege unterwegs sein können. Natürlich hängt das auch mit der Art und Weise zusammen, wie wir in dem Jahrzeht davor mit uns und dem Leben umgegangen sind.

Und hier kommt die Kraft der Meditation, der Achtsamkeit ins Spiel. Eine der Befürchtungen über das eigene Älterwerden ist der geistige Abbau, der Verlust der grauen Substanz im Gehirn.  Eine aktuelle Studie hat sich damit beschäftigt und die Wissenschaftler überrascht.

Hochauflösende Magnetresonanztomographien zeigten, dass durch regelmässige Meditation der Abbau der grauen Gehirnsubstanz verlangsamt werden kann.
Mit dem Alter nahm die graue Substanz zwar in beiden Gruppen ab. Bei denjenigen Studienteilnehmern, die regelmässig meditierten, aber in weitaus geringerem Mass.

Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen waren so signifikant, dass die Forscher es selbst kaum glauben konnten.  "Wir haben eher kleine und lokal begrenzte Effekte in ein paar Regionen erwartet, die zuvor schon mit Meditation in Verbindung gebracht worden waren. Was wir stattdessen beobachteten, war ein breitgestreuter Effekt von Meditation, der Bereiche im gesamten Gehirn betraf", berichtet Dr. Kurth.

Meditation könnte ein hilfreicher Weg sein, Alterungsprozesse im Gehirn zu verlangsamen und auch das Alter noch geistig fit und aktiv geniessen zu können. Das ist doch ein gutes Signal, speziell für die lange Phase nach dem offiziellen Ruhestand. Hier geht noch was, noch einiges.

Das Erlernen und Praktizieren von Achtsamkeit, Meditation müsste allerdings früher beginnen. Und die Motivation dazu von innen her kommen und wachsen.

Quelle: Dr. Florian Kurth et al., "Forever Young(er): potential age-defying effects of long-term meditation on gray matter atrophy.”, Frontiers in Psychology, Februar 2015