Der Kälte entkommen

Der geschäftliche Alltag wird sehr stark mit Sachlichkeit und Kühle in Verbindung gebracht.
Keine Frage, das braucht es, um die Arbeit mit klarem Kopf zu tun.
Irgendwann haben wir gelernt, dass in professionellen Beziehungen für Gefühle kein Platz ist.
Ist das so?

Für mich sprechen die vielen Untersuchungen zum Wohlbefinden und Gesundheitszustand eine andere Sprache. Die Ursachen für die Zunahme der psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz sind vielschichtig. Aber ein Faktor ist sicherlich, dass wir uns über so viele Stunden am Tag auf unsere Funktion reduziert erleben. Dafür werden wir bezahlt, dafür bekommen wir Rückmeldung, wenn es eine bewusst führende Organisation ist, sogar Wertschätzung. Und wir kennen alle, wie gut es tut: das kleine Gespräch zwischendurch, der etwas persönlichere Austausch, die Möglichkeit, ehrliche Beziehungen am Arbeitsplatz zu haben - wir erleben, dass wir auch noch andere Teile in uns tragen, die einfach dazugehören.

Es gibt viel zu tun in Organisationen, um wieder ein gesünderes Umfeld für ihre Mitarbeitenden zu schaffen. Ich persönlich bin überzeugt, dass die erfolgreiche Gestaltung einer achtsameren Organisationskultur, einen starken Wettbewerbsfaktor darstellt.


Heute möchte ich Ihnen ein kleines Experiment auf der individuellen Ebene vorstellen, dass gleich heute einen Unterschied machen kann.

Achtsamkeitsexperiment
Nehmen Sie sich doch mal für 2-3 Tage in der kommenden Arbeitswoche etwas Ungewöhnliches vor:
Beginnen Sie einmal am Tag ein Gespräch im professionellen Kontext mit einer vom Herzen kommenden Bemerkung. Eine, die den anderen erreicht, vielleicht berührt. Vielleicht ist es eine echte Frage nach dem Befinden, ein Anknüpfen an ein persönlicheren Anteil eines Gesprächs in der letzten Woche, ein ernst gemeintes Kompliment. Wahrscheinlich werden Sie überrascht sein, dass die Kontakte anders verlaufen, dass es Ihnen selbst gut tut, dass sie wieder die Kraft der Verbundenheit erleben. Zumindest mal ab und zu.