Achtsamkeits-Übung als Aufgabenmanagement?


Wir kennen das alle: in unserem Alltag gibt es scheinbar nie enden wollende Listen von To-Do`s. Hat man die eine Aufgabe abgehakt ( mit einem der tollen Aufgabenmanagement-Programmen auf dem PC, Smartphone oder Tablet ), befriedigt, dass diese Aufgabe statt dunkel schwarz jetzt durchgestrichen grau erscheint...um dann ganz zu verschwinden - sind schon 3-4 neue dazu gekommen.
Der Kopf beginnt, besonders am Nachmittag irgendwann zu rauchen, der Rauch vernebelt die klare Sicht, das wirklich Wichtige geht in zahllosen Aktivitäten unter.

Die unendlich ausgetüftelten, klugen und sehr ansprechend gemachten elektronischen Tools helfen, allerdings nur bedingt. Ich habe immer wieder einen grossen Entdeckergeist, in diesem Bereich Neues auszuprobieren.
Was ich auch beobachte: Es scheint sich eine Gegenbewegung in der Diskussion abzuzeichnen - Vereinfachung, Reduzierung des Komplexitäts- und Tiefegrads...weg von dem puren GTD-Ansatz ( Getting-Things-Done von Allen ) hin zu einem mehr bedürfnisorientierten, flexiblem Aufgabenerfassungssystem. Die Methoden sollten einem helfen, schneller, freudiger und fokussierter an die Dinge heranzugehen. Mit der notwendigen Flexibilität, kurzfristig auch andere Tools parallel zu benutzen, um dann wieder auf ein System zurückzukommen.
Ich kannte das zu gut: das Beschäftigen mit dem Zeitplanungs- und Aufgabentool verbrauchte häufig mehr Energie und Zeit als Dinge mal unorganisiert, aus den Gegebenheiten des Leben heraus, einfach zu tun. Einige von uns werden dabei sehr ernst, das Leben verwandelt sich in ein Abarbeiten von Tasks.

Etwas, das in der ganzen Zeitmanagement/Organisationsdiskussion  aus meiner Sicht, zu kurz kommt, ist die Frage:
Wie gewinne ich innere Ruhe, Klarheit und Übersicht zurück?
Mir persönlich hilft eine kurze achtsame Auszeit, eine einfache Technik der bewussten Aufmerksamkeitslenkung, bekannt aus dem MBSR-Programm.
Diese kleine Auszeit hilft mir enorm, das Tempo rauszunehmen, Abstand zu gewinnen und danach klarer und fokussierter zu handeln. Und manchmal das, in das ich mich gerade verbohrt hatte ( im Sinne von " das muss heute noch unbedingt " ), einfach loszulassen. Übersicht durch Achtsamkeit!

Wenn Sie mögen gleich hier die Anleitung als audio ( 5:30 ) und zum Nachlesen:



Spüren Sie die Körperhaltung im Sitzen, die Sie in diesem Moment eingenommen haben. Werden Sie sich bewusst, wie Sie sitzen, wie die Sitzunterlage Sie trägt oder an welchen Stellen Sie Kontaktempfindung mit der Sitzunterlage merken. Spüren Sie doch einfach etwas genauer hin, welche Regionen des Körpers sich müde, verspannt, oder wach und frisch anfühlen. Ohne etwas zu ändern.
Lassen Sie diese Empfindungen für die Dauer dieser kurzen Übung einfach genau so sein, ohne den Anspruch zu haben, dies jetzt ändern zu müssen. Es einfach sein lassen, so wie es ist.
Bleiben Sie doch, wenn es geht, 2-3 Atemzüge lang bei diesen Körperempfindungen des Sitzens.

Als nächster Schritt, sind Sie eingeladen mitzubekommen, was Ihnen gerades alles durch den Kopf geht? Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihre Gedanken. Vielleicht haben Sie gerade angenehme Gedanken oder unangenehme oder vielleicht auch gar keine Gedanken. Einfach wahrnehmen, was jetzt ist, was Sie noch beschäftigt. Ohne einzusteigen, die Gedanken zu verfolgen oder zu verjagen. Einfach, so gut es geht, freundlich zur Kenntnis nehmen.

Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nun auf Ihre Gefühle. Nehmen Sie wahr, welche innere Stimmung gerade in Ihnen ist.  Vielleicht erleben Sie Freude oder Langeweile, vielleicht auch Ablehnung oder Neugierde. Wie ist der innere Wetterbericht? Alles so willkommen heißen, wie es jetzt ist.

Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder auf Ihre Körperempfindungen. Ihr ganzer Körper, sitzend, im Kontakt mit der Unterlage, der Rückenlehne, dem Boden, gestützt, getragen..

Nehmen Sie nun den Atem  mit ins Bild. Der sitzende Körper - atmend. Beobachten Sie den Atem an Ihrer Bauchdecke. Nehmen Sie die Einatmung wahr, die Ausatmung und die Pausen dazwischen. Spüren Sie, wie es Sie von Augenblick zu Augenblick atmet. 
Ändern Sie bitte nichts an Ihrem Atem, lassen Sie ihn einfach genauso fliessen, wie er es von selber gerade tut....
Das Fliessen der Atembewegungen in Ihrem Körper wahrnehmen. Es gibt nichts zu tun, zu machen oder zu erreichen - einfach da sein, hier und jetzt.

Verweilen Sie noch 1-2 Minuten in dieser verfeinerten Wahrnehmung.
Und kehren dann einfach, sich leicht räkelnd und tief durchatmend wieder zurück zum Alltagsgeschehen.

Was steht jetzt wirklich an? Einfach tun.