Achtsamkeit kommt in der Wirtschaft an: eine wissenschaftliche Studie zeigt positive Ergebnisse

Mehr und mehr Firmen bieten achtsamkeitsbasierte Kurse ihren Mitarbeitern an.
Google hat hier einen großen Schritt getan – mit dem internen Angebot eines umfassenden Achtsamkeitstrainings mit dem Titel „Search Inside Yourself“. Dies wurde auch in Buchform veröffentlicht.  In einfacher Art und Weise vermittelt es die neurowissenschaftlichen Grundlagen der praktizierten Übungen

In einem ersten großen, deutschlandweit durchgeführten Forschungsprojekt wurde mit 7 Firmen zum Thema „Achtsamkeit im Arbeitsalltag“ gearbeitet.  Dazu gehören eine Handelskette mit über 40000 Mitarbeitern ebenso wie ein Automobilzuliefe- rer mit 1400 Mitarbeitern und ein Architekturbüro mit 100 Mitarbeitern.

Schulung der Achtsamkeit in Theorie und Praxis
Die Gruppen bestanden aus 10 bis 25 Mitarbeitern, die ein angeleitetes achtsamkeitsbasiertes Schulungsprogramm an acht bis zehn Terminen erhielten. Dies beinhaltete zwei ganztägige Termine „off site“ sowie sechs bis acht kurze Termine von zweieinhalb Stunden Dauer, die in den Firmenstandorten stattfanden. Der Kurs beinhaltete folgende Elemente:
- Präsentation und Diskussion von wichtigen psychophysiologischen Erkenntnissen, die Stress, Lernen, Freude, Fokus, Kommunikation und Produktivität betreffen. Am jeweils ersten und letzten Termin fanden auch kognitionspsychologische Testungen statt, die auch in die Projektauswertung mit eingeflossen sind.
- Einführung von alltagstauglichen Achtsamkeitsmethoden, einschließlich eines Erfahrungsberichts über Wirksamkeit und Probleme im Zusammenhang mit der Schulung. Das Programm umfasste ein breites Spektrum, das von der klassischen Achtsamkeitsmeditation bis zu Achtsamkeit im Umgang mit E-Mails, Achtsamkeit in Meetings und achtsames Zeitmanagement reicht.
- Gemeinsame Achtsamkeits-Übungen als ein zentrales Element des Trainings.

Anspannung nahm ab, Konzentration wurde besser
Die Projektergebnisse sind äußerst vielversprechend. Anfänglich bestehende Berührungsängste konnten schnell abgebaut werden. Auch wenn jeder Teilnehmer seine Vorlieben, was die Übungen anging, hatte, fand doch jeder seine eigene Palette an Tools für seinen jeweiligen Alltag. Über 90 Prozent der Teilnehmer sagten, sie wollten weiterhin Achtsamkeitsübungen gelegentlich oder häufig in ihren Lebensalltag integrieren.


Die Auswertungen der Fragebögen und der Testungen ergaben  positive Effekte auf relevante intrapersonelle Faktoren: so berichteten die Teilnehmer unter anderem über eine subjektiv signifikant reduzierte Anspannung und Stressbelastung, einen Anstieg der Konzentrationsfähigkeit und über mehr Raum für Kreativität. Die Fehlerrate bei der kognitionspsychologischen Testung ist um mehr als 25 Prozent zurückgegangen. Schwächere Effekte gab es bei interpersonellen Faktoren wie Atmosphäre am Arbeitsplatz und interne Kooperation.
Die Teilnehmer beobachteten bei sich selbst mehr Entspannung, Freude, Fähigkeit, mit Stress umzugehen, sowie über mehr Fokus. Interessanterweise war auch ein Klima von Offenheit und Akzeptanz die Folge des Trainings. Ausserdem wurde deutlich, dass nicht nur sie betroffen waren, sondern dass teilweise ihre Kollegen/Kolleginnen oder auch Partner positive Veränderungen bemerkt haben – und in vielen Fällen haben sich sogar einige Übungen im privaten Alltag mit dem Partner etabliert. Die  Ergebnisse können als positiv gewertet werden und zeigen damit die Wirkung von Achtsamkeitsübungen im beruflichen Alltag auf.
Diese Stärke der Auswirkung sind ähnlich gross wie die Auswirkungen von Achtsamkeit, wie sie in klinischen Studien gefunden wurden. Somit kann man feststellen, dass achtsamkeitsbasierte Interventionen im Arbeitskontext analog zu medizinischen und gesundheitswissenschaftlichen Bereichen ihre Wirkung zeigen.

Auch wenn Achtsamkeit – wie in der Medizin und den Gesundheitswissenschaften – kein Allheilmittel darstellt, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass nicht nur der einzelne Mitarbeiter, sondern auch die Gesamtorganisation profitieren kann. Es scheint klar zu sein, dass Achtsamkeitsübungen in unserer schnelllebigen und wissensorientierten Zeit nicht nur der Entspannung, Genesung und inneren Sammlung dienen, sondern vor allem helfen können, im Arbeitsalltag präsent, achtsam und menschlich zu sein.

Achtsam mit Grenzen umgehen


Es ist gar nicht so einfach, beim Setzen von Grenzen den idealen Bereich für sich zu finden: zwischen aktiver Aggression und passivem Aushalten als Fussabtreter. Ziel sollte sein, fähig zu werden, die eigenen Bedürfnisse und Ansichten klar geltend machen zu können, und sie dabei von von denen einer anderen Person auch unterscheiden zu können.

Vielleicht fällt Ihnen eine Grenze ein, die Sie schon das ein oder andere Mal setzen wollten, bei der Sie gezögert haben, unsicher wurden und es nicht taten. Was sind Ihre Bedürfnisse, Werte und Wünsche in dieser Situation? Und welche Wünsche, Werte, Bedürfnisse hat wohl die andere Person? Sie können sich  - als Vorbereitung auf das nächste Mal - auch Notizen machen.

Was sind denn die Gemeinsamkeiten / Unterschiede, die sie beide ausmachen? Wenn immer Sie sich in Gedanken verlieren sollten, Emotionen zu stark auftauchen, haben Sie die Möglichkeit, sich wieder achtsam in den Moment zurückzubringen, indem Sie sich in Ihrer Körperwahrnehmung dieses Moments verankern. Stück für Stück durch Ihren Körper gehen ( wie Sie das wahrscheinlich vom Body-Scan her schon gut kennen ).

Wenn Sie beim nächsten Mal in die Situation mit der betreffenden Person kommen, bringen Sie zum Ausdruck, dass Sie etwas ansprechen wollen und bedanken sich gegebenenfalls für die Zeit und Aufmerksamkeit der anderen Person. Nennen Sie das Thema und machen deutlich, um welche Ihrer eigenen Bedürfnisse es geht, was Ihnen im Kontakt mit Ihrem Gegenüber wichtig ist. Teilen Sie auch mit, was Sie vermuten von der anderen Person zu verstehen. Vergewissern Sie sich, dass Ihr Verständnis der Sichtweise Letzterer korrekt ist.

Daraufhin benennen Sie die Bedingungen Ihrer Grenze in einfacher, klarer und unmissverständlicher Weise. Sie haben bereits die hinter der Grenze stehenden Werte, Bedürfnisse und Wünsche genannt, deshalb müssen Sie Ihre Position nicht rechtfertigen, erklären oder verteidigen. Sie stehen zu Ihrer Grenze, und erlauben sich dabei wirklich Ihre Füsse zu spüren, sich am Boden zu verankern. Bei jeder Gegenreaktion der anderen Seite, jedem Verhandeln-Wollen, nehmen Sie einen tiefen Atemzug, spüren Ihren Boden und nennen erneut, das was Ihnen wichtig ist und wo Ihre Grenze ist.

Schönheit und Heilung


Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt, offenbart sie dessen Schönheit. Wenn sie etwas Schmerzvolles berührt, wandelt sie es um und heilt es.

Zen-Zitat

Stress und die eigene Bewertung haben Einfluss auf unsere Lebensdauer

Aktuelle Untersuchungen ( University of Wisconsin ) zeigen etwas sehr überraschendes: Die Auswirkung von Stress auf uns, hängt eng zusammen mit unserer Bewertung.
29000 Erwachsene waren Teil dieser Untersuchung. Sie wurden befragt, wieviel Stress Sie hätten, wie sie versuchen damit fertigzuwerden und ob sie glauben, dass Stress gesundheitsschädlich sei.
Dann betrachteten die Forscher 8 Jahre später die Sterberegister. Sie wollten herausfinden, wer von den Befragten gestorben war.
Das Ergebnis: Alle die viel Stress ausgesetzt  waren und meinten, dass Stress ihre Gesundheit gefährdet, hatten ein um 43 Prozent höheres Sterberisiko. Diejenigen aber, die Stress damals als unbedenklich betrachtet hatten wiesen das niedrigste Sterberisiko auf.
Wer Stress also nur als schädlich ansieht, erlebt vor allem seine schädlichen Wirkungen - wer das  Ganze als Herausforderung, Chance wahrnimmt, profitiert geistig wie auch körperlich.

Stress ist eine Prophezeiung, die sich selbst erfüllt. An ihm ist vor allem eines schädlich: wenn wir beginnen, uns selbst damit zu stressen.

Ich denke, dass das Entwickeln von Achtsamkeit ein wertvolles Werkzeug ist, mit dem wir schneller unsere automatisierten gedanklichen Reaktionen mitbekommen können. Und ihnen damit ihre Kraft nehmen.




Stress und seine überraschenden Wirkungen

Vor Kurzem fand ich in der Literatur Beschreibungen von Stress-Auswirkungen, die so gar nicht in das Raster "Achtung! Vorsicht, Stress! Ist gefährlich!" passten.

Haben Sie z.B. am frühen Morgen den Wecker überhört, waren dadurch in höchster Eile, wobei Sie sich nebenbei noch den Kaffee über die Hose gegossen haben, sind zur Bahn geeilt, die aber blöderweise zwischen zwei Haltestellen hängen- und stehenblieb, wobei Sie doch diesen unglaublich wichtigen Termin hatten....
Der Blutdruck ist gestiegen, Sie fühlen den Puls an den Schläfen pochen und merken, dass Sie beginnen zu schwitzen - jetzt dürfen Sie sich glücklich schätzen: Sie tun Ihrer Gesundheit etwas Gutes. Ja, wirklich - das ist so anders als all die Ratgeber zum Thema Achtsamkeit und Stress empfehlen. Sie aktivieren und trainieren Ihr Immunsystem, beugen Alzheimer vor, schützen sich vor Hautkrebs und beschleunigen die Heilung von Verletzungen. Genaugenommen durchlaufen Sie gerade ein Wellnessprogramm, da Sie ja im Stress sind!
Das Image von Stress ist äusserst schlecht, die Mehrheit ( 62% ) wünscht sich ein stressfreieres Leben, ihn loszuwerden ist ganz oben auf dem Wunschzettel. Sogar die WHO hat Stress zu "einer der grössten Gefahren des 21. Jahrhunderts" erklärt.
Ein Professor für Psychiatrie an der Stanford University ist dabei, Stress zu rehabilitieren. Firdaus Dhabar meint: "Mutter Natur gab uns die Stressreaktion, um uns zu helfen, nicht um uns zu töten!" In einem Experiment stresste er Labormäuse bevor er sie intensiv bestrahlte, um gezielt Krebs auszulösen. Die gestressten Mäuse entwickelten im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich später Tumore, sie waren auch seltener betroffen. Akuter Stress als Schutzmechanismus?
Das Phänomen Stress benötigt genauere Betrachtung - Stress ist nicht gleich Stress. Es kommt darauf an, wie lange Stress andauert, wie das Individuum ihn bewertet, und wie es mit ihm umgeht. Unbestritten ist, dass ein Leben in pausenloser Hetze und Anspannung – also im Langzeitstress – der Gesundheit nicht zuträglich ist. Dauert Stress jedoch eine überschaubare Zeit an, dann – so hat die Wissenschaft in den vergangenen Jahren festgestellt – lassen sich plötzlich ganz andere Wahrheiten über ihn herausfinden.
Kurzzeitiger Stress erhöht die Zunahme von weissen Blutkörperchen, was wiederum die Immunreaktion z.B. während einer Operation stärkt.  Studien an Zebrafischen, Mäusen sowie menschlichen Gewebeproben ergaben, dass sich »zelluläre Schutzantworten«  durch stressige Belastungen auslösen lassen. Christoph Englert, Professor für Molekulare Genetik: "Wenn Sie etwa Fliegen oder Mäuse unter Stress setzen, leben sie länger."  In Massen, wie gesagt. Die Forschung geht heute so weit zu sagen, dass es keine Evolution gegeben hätte, wenn die ersten Einzeller und ihre Nachfolger nicht regelmässig in Stress geraten wären, um ihr Überleben zu garantieren. Auch Darwin meinte, dass die Umwelt uns Lebewesen täglich herausfordert, uns also Tag für Tag unter Druck setzt. Und diejenigen überleben und pflanzen sich fort, die am besten auf Bedrohungen reagieren. Vielleicht wird es Zeit, Stress wieder anders zu bewerten, ihn genauer, differenzierter zu sehen, und ihn nicht per se zu verteufeln.
 «Verbitterung ist wie Gift trinken und erwarten, dass dein Feind davon stirbt.»   
Nelson Mandela




Zeit für sich



„Das um-sich-kümmern ist im Trend“, sagt eine Werbe-Expertin.  „Heute heißt es Spa-Bäder statt Spaß-Bäder und Wellness-Urlaube statt Action-Trips.“ Nur zeigen die entsprechenden Angebote von Offline-Hostels und Kloster-Wochen, dass es dabei nicht nur um das Wohl des Körpers geht, sondern um das des Geistes. Klar und konzentriert soll er sein, ist er doch das Kapital von heute.
Was auch immer beliebter wird, um innezuhalten und sich selbst wahrzunehmen, sind technische Hilfsmittel. Apps zum Meditieren. Dabei lenken doch gerade die Smartphones so sehr vom Achtsam-sein ab. Ein Blinken hier, eine Push-Nachricht da, ständig empfangen wir Reize und reagieren sofort darauf. Von der „Head- down-Generation“ ist die Rede. Weil manche Menschen nicht mehr ohne ihren Onlinestatus leben können, gibt es in den USA seit zwei Jahren „Digital Detox Camps“, in Deutschland fand eine solche Kur zur digitalen Entgiftung im vergangenen Jahr zum ersten Mal statt.

Ver-Rückt: Glücksgefühle bei jedem neuen Reiz
Etwas zu tun, ohne es wirklich zu tun, nennen Psychologen „Mind Wandering“. Für den Menschen ist dieser wandelnde Geist mit ständigen Glücksgefühlen verbunden. Flackert eine Nachricht auf oder „gefällt“ jemandem das neue Bild auf Facebook, schüttet unser Gehirn Dopamin aus, das Hormon, das auch beim Sport, bei Drogen und Sex produziert wird. Wir fühlen uns belohnt, bestätigt, wollen mehr. Da ist nicht nur die Neugier, wenn wir über das Display wischen. Da ist auch der große Wunsch nach sozialer Rückversicherung für unser Tun.
Für den Zukunftsforscher Horx ist der Trend zu mehr Achtsamkeit nur allzu verständlich. „Es ist eine Gegenbewegung zu der digitalen Verdichtung und Beschleunigung“, sagt er. „Durch die ständige Gleichzeitigkeit und Auflösung von Distanz, die die digitale Welt mit sich bringt, werden wir wortwörtlich ver-rückt.“ Sicher, sagt er, habe es schon in den 70er Jahren die Hippie-Bewegung und in den 90ern New Age als seelisches Ausschwingen gegeben, doch jetzt habe die Idee von mehr Selbstachtung und Bewusstheit die Mitte der Hochleistungsgesellschaft erreicht. Dort, wo Stress und Depressionen ein Strukturmerkmal sind.