Qualität und Echtheit


In immer mehr Bereichen werden achtsamkeitsbasierte Praktiken inzwischen angewandt, "sie scheinen ähnlich vielseitig wie ein Breitbandantibiotikum einsetzbar zu sein", sagt Ullrich Ott, der an der Universität Gießen die Wirkung von Meditation erforscht . Seine Erklärung: "Viele psychische Störungen sind mit Unruhe und Ängsten verbunden, und dagegen hilft die Achtsamkeitsmeditation eben." 
Den Wirbel um die Methode betrachtet Ott im Prinzip mit Wohlwollen: "Wenn Wissenschaftler an Universitäten neue Anwendungsbereiche erschließen, werden sie diese in der Regel auch im Rahmen von Studien prüfen." Skeptisch steht er dagegen Anbietern gegenüber, die Meditation nur einsetzen, weil sie gerade gefragt ist, und die sie womöglich mit anderen Methoden vermischen. "Da ist der Nutzen fraglich." 
Susanne Kersig beobachtet den Hype ebenfalls kritisch. "Alle wollen dabei sein, auch wenn sie wenig Erfahrung haben." Sie erzählt von Therapeuten, die bei ihr einen Wochenendkurs buchen, um das Gelernte an Patienten weiterzugeben. "Die Achtsamkeitsmeditation ist aber keine Technik, die man schnell mal lernen und weitergeben kann, sondern eine Haltung und Form des Seins." Wer sich darauf einlassen wolle, solle lange und ernsthaft üben, bevor er unterrichte. 


Inzwischen gibt es Versuche einer Qualitätssicherung. Meditationsforscher der Universität Massachusetts haben Richtlinien für Achtsamkeitstrainer festgelegt . Sie sollen etwa langjährige Erfahrung sowohl in Meditation nach buddhistischer Tradition haben als auch in westlichen Methoden wie MBSR.