Digitale Fastenzeit 2


Immer erreichbar sein zu können, bedeutet für viele, immer erreichbar sein zu müssen.

Eine Welt ohne Handy kann sich niemand mehr vorstellen. Doch die Mobilität und die damit entstandene Kommunikatiosnkultur verändert unser Leben.
"Niemand kann immer auf «Stand-by» sein und auf alles sofort reagieren. Dann gerät vieles oberflächlich und kurzatmig. Wir betreiben einen Kommunikationskult und brauchen doch dringend mehr Kommunikationskultur" so Miriam Meckel, Professorin für Kommunikation in St. Gallen in einem Beitrag ( NZZ am Sonntag, 2007 ).
Gerade durch die digitale Mobilität bedingt durchdringen sich Arbeitszeit und Frei-Zeit. Subjektiv entsteht ein Zeitbrei, bei dem nie ganz klar ist: bin ich "on" oder bin ich "off". Es ergibt sich kaum mehr Platz für Musse, Nutzlosigkeit und dem Entdecken, was von sich aus entstehen möchte.

Was geradezu nach verschwenderischem Luxus klingt, betrachten Hirnforscher mittlerweile als Zustand, den wir zur Regeneration dringend benötigen. Wie neurobiologische Experimente zeigen, braucht unser Gehirn offenbar immer wieder Zeiten des Nichtstuns – nicht etwa zum Ausruhen, sondern um sich gesund sortieren zu können; ein gewisser Leerlauf im Kopf ist für unsere geistige Stabilität geradezu unabdingbar.

"Wir müssen Prioritäten setzen. Wir dürfen den «Aus»-Knopf betätigen. Und wir haben das Recht auf Zeiten der Unerreichbarkeit. Kommunikation braucht Qualität. Und Qualität braucht Zeit" so Meckel.

Wie wäre es, an einem der kommenden Feiertage, dieses Experiment zu starten: digitale Auszeit - komplett ?
Undenkbar? Vielleicht? Ein anderes Mal?
Ich bin dabei. Und werde mir kurz notieren, welche Argumente meinem Gehirn einfallen, mich zum Anschalten zu überreden. Ich muss mir ja von mir selbst nicht alles gefallen lassen ( Viktor Frankl ) - und bleibe dabei....