Digitale Fastenzeit 1


Letztens in der Tram in Basel - Feierabend. Vielleicht die Hälfte der Mitfahrenden schaut interessiert, ja gebannt auf die paar beleuchteten Quadrat-Centimeter ihres Smart-Phones. Ich heute nicht. Erkenne mich aber wieder, weiss um die Sucht des schnellen Wischens und Touches. Meine Gedanken schweifen davon und in meinem Bild erscheint die Zeit, in der es diese "devices" noch nicht gab - gar nicht lange her. Frage mich, ob wir ohne diese Teile mehr und häufiger in Kontakt waren mit anderen, ob wir bereiter waren, überrascht zu werden. Ob wir uns heute im digitalen Kosmos verschanzen und echte Erfahrungen weniger an uns heranlassen.

Bei einem Geburtstagfest zum 75. zückten nach dem üppigen Kuchenbuffet alle ( wirklich alle ) Gäste ein tablet oder smart-phone, um zu kommunizieren - teilweise mit nicht Anwesenden, teilweise miteinander ( das digitale Wunder-Ding als Inhalt des Gesprächs ). Ich auch. Schaute mich erstaunt um.

Unsere Zeit bringt diese neuen Möglichkeiten mit sich. Es geht um eine intelligente, achtsame Nutzung.

Eine Seminar-Teilnehmerin berichtete, dass jedes gemeinsame Abendessen, der einzige Treffpunkt der kleinen Familie, so verlief, dass alle nebenbei digital unterwegs waren.
Sie erzählte, wie sie eine Lösung fanden, die simpel klingt, aber ausserordentlich hilfreich war und funktionierte. Im Flur wurde ein Korb aufgestellt. In den kamen alle mobilen Geräte für die Dauer des gemeinsamen Essens/Abends hinein. Und blieben dort auch, egal wie intensiv sie sich zu Wort meldeten.
Sie war sehr zufrieden über die zurückgewonnene Familienzeit.

Achtsamkeit bedeutet sich ganz und gar der Erfahrung des Moments zu zuwenden.
Ganz da sein, unabgelenkt, wahrnehmend, was ist. Diese Fähigkeit zu üben, ist zentral in der Achtsamkeitsschulung im mbsr@work.
Manchmal bedeutet dies einfach "nur" ganz da zu bleiben im Kontakt mit seinen Gesprächspartnern -  und auch zu bleiben. Die klingelnden und blinkenden Geräte einfach in die Pause schicken.

Warum eigentlich nicht mal fasten? Was verpassen wir wirklich?